Bubble Tea

Bubble Tea von Quickly, mit schwarzen Tapiokaperlen am Boden des Bechers (Photo credit: Wikipedia)
Bubble Tea von Quickly, mit schwarzen Tapiokaperlen am Boden des Bechers (Photo credit: Wikipedia)

UPDATE: 24.9.12 Aha! Doch keine Giftstoffe:

Welt:  Ministerium-Keine-gesundheitsgefaehrdenden-Stoffe-in-Bubble-Tea

Vielleicht sollte man Zufallsfunde die bei einem Gerätetest anfallen, nicht gleich an die große Glocke hängen ohne das ganze nochmals zu prüfen. Was berichtet FOCUS Online dazu? Nichts, war ja zu erwarten. Ist ja nicht geil, gefährlich etc.

UPDATE: 22.8.12 Forscher haben mittlerweile per Zufall in Bubble Tea anscheinend doch bedenkliche Stoffe gefunden:

Welt: Chemiker-finden-Giftspuren-in-Bubble-Tea

Nachdem mir ein Artikel zu Bubble Tea weitergereicht wurde, fühlte ich das tiefe Bedürfnis auch mal meinen Senf dazu abzugeben. Bevor ich mich aber mit dem Artikel selber beschäftige, möchte ich erst einmal etwas über Bubble Tea schreiben. Da Kassels Innenstadt Bubble-Tea-mässig auch vollkommen gesättigt ist, dachte ich mir, dass die Kritik auch gut in diesen Blog passt.

Bubble Tea ist ein Tee Mixgetränk und hat seinen Ursprung in Taiwan, wo es seit den 80ern getrunken wurde. Die Anzahl an Varianten und Rezepten ist unüberschaubar groß, kann allerdings auf ein Grundgerüst reduziert werden. Grundlage des Getränks ist ein heißer oder gekühlter Tee, meist grüner oder schwarzer, welcher gemischt wird mit Milch und/oder Fruchtsirup. Häufig werden je nach Wunsch kleine Perlen aus Tapiokastärke hinzugefügt. Auch gibt es Varianten mit kleinen Geleeperlen die mit Syrup gefüllt sind oder Sojamilch verwenden.

In letzter Zeit hat die Anzahl an Bubble Tea Läden zugenommen, weshalb sich eine kleine Welle an Berichten dazu ergeben hat. Erschrocken hat mich aber gerade der verlinkte Artikel. Ich möchte im Vorfeld klarstellen, dass ich in keinster Weise etwas gegen den Focus habe und weder das Magazin noch die Redaktion persönlich angreifen will. Mir stößt es einfach nur sauer auf, einen solchen Artikel auf dem Webauftritt eines sich selbst ernst nehmenden Magazins zu lesen.

In dem besagten Artikel warnt der Autor über die möglichen Gefahren von Bubble Tea, vermischt dort aber Fakten mit Panikmache und fußt seine Aussagen fast vollständig auf Vermutungen und stellt Bubble Tea unter einen allgemeinen Generalverdacht. Jetzt mal im Ernst, wenn man in so einer Form argumentiert, kann man eigentlich alles behaupten. Möglicherweise war Elvis ein Yeti. Es könnte sein das Bratwurst schwanger macht. Vielleicht existiert ein Paralleluniversum in dem die Nationalelf die EM 2012 als Sieger verlassen hat. „Könnte, sollte, müsste“, sowas erwarte ich vielleicht in einer heiteren Stammtischrunde aber nicht von einem Artikel der möglicherweise (haha…) von einem Journalisten geschrieben und von einem Chefredakteur hätte durchgelesen werden können (hehe…). Aber jetzt ersteinmal konkret zum Artikel.

„Das heißt, es kann alles Mögliche untergemischt sein: Farb- und Konservierungsstoffe, Aromen und Säuerungsmittel.“

Wie gesagt, mit dieser „Argumentationstechnik“ kann man im Prinzip alles schreiben. Bubble Tea könnte Krebs vorbeugen. Es ist nicht vollkommen auszuschließen das Bubble Tea Yetifleisch enthält. Wenn Spiderman echt wäre würde er bestimmt auch Bubble Tea trinken. Mein Gott. Ich hätte erwartet, dass der Focus hier auf eigene Faust untersuchen lässt was bestimmte Anbieter in ihren Getränken verarbeiten und mit Fakten kommt (war das nicht mal nen Werbespot?), aber sowas? Möglicherweise (haha…) gab es ja solche Untersuchungen, brachten allerdings nichts zu Tage, was der allgemeinen Sensationsgier gerecht wird.

„Möglicherweise verstecken sich zudem giftige Weichmacher, sogenannte Phthalate, im Trendgetränk.“

Hier haben wir doch wieder genau das gleiche. Sind da jetzt Weichmacher drin oder nicht? Hat das jemand untersucht oder nicht? Ein kläglicher Versuch diese Hypothese dann doch noch bekömmlich zu machen liegt in dem zitieren von Verbraucherschützerin Angela Clausen von der Verbraucherzentrale NRW:

„Es ist nicht auszuschließen, dass Becher oder Sirupflaschen aus Asien Phthalate enthalten“

Es entspricht zwar der Realität, dass man in China es häufig nicht wirklich sehr genau nimmt mit den Dingen die man in Nahrungsmittel hinein gibt. Allerdings ist diese Generalisierung in diesem Zusammenhang geradezu widerlich. Ich darf dabei nur an die regionalen Leckerein erinnern wie Gammelfleisch, Dioxineier, EHEC, Nitrofen und Uran im Trinkwasser. Unter diesem Gesichtspunkt müsste man sagen, dass ein Verzehr regionaler Lebensmittel, vor allen Dingen Geflügel, in Deutschland möglicherweise nicht ratsam ist. Der wichtige Punkt hier ist, dass bisher niemand verbotene Zusätze oder Kontaminationen in Bubble Tea nachweisen konnte, jedenfalls nicht nach meinem Kenntnisstand. Warum also diese bodenlosen Beschuldigungen? Falls jemand eine seriöse Quelle zitieren kann die durch entsprechende Untersuchungen in DE Funde verzeichnen konnte, würde ich mich über einen Hinweis dazu freuen.

„Im Gegensatz zur Coca-Cola müssen die Hersteller von Bubble Teas übrigens keine Angaben zum Koffeingehalt des Getränks machen. Doch schon geringe Mengen an Koffein können für Kinder gesundheitliche Folgen haben und zu Herzrasen, Nervosität und Bauchschmerzen führen.“

Echt jetzt? Wieviel Koffein kann in heruntergewässerten Tee schon drin sein? Wenigstens das hätte man ja mal untersuchen können. Anscheinend hat die Stiftung Warentest genau dies getan und siehe da, es enthält in etwa soviel Coffein wie Coca-Cola. Ein Gebräu welches Kinder und Jungendliche literweise vertilgen und bisher hat es nicht wirklich jemanden gejuckt. Dabei gibt es längst Energy Drinks mit deutlich höherem Koffeingehalt, gegen die sich auch bisher kaum jemand ausgesprochen hat, ausser vielleicht die Zeitschrift Öko-Test welche vorwiegend die nicht umweltschonende Verpackung bemängelt… Natürlich bedeutet dies nicht, dass Koffein vollkommen ungefährlich ist und gerade bei Jugendlichen kann bei sehr hohem Konsum die Entwicklung beeinträchtigt werden. Allerdings ist die Gefahr sich durch Bubble Tea zuviel Koffein einzuverleiben weitaus geringer als bei Tee, Kaffee, Cola oder Energy Drinks.

„Doch stecken in der knallbunten Mixtur nicht nur massenhaft Kalorien, sondern auch etliche Zusatzstoffe und sogar Weichmacher.“

Dieser Knaller ist in der Unterschrift des Artikels zu finden und kann man eigentlich nur als Lüge bezeichnen. Es wurde in keinem Bubble Tea in Deutschland irgendein Weichmacher gefunden. Was es tatsächlich in Bubble Tea, in Spuren, zu finden gibt sind sog. Azofarbstoffe. Dies sind umstrittene Lebensmittelfarbstoffe, die aber nicht verboten und man verwendet sie auch in Lutschern, Bonbons etc. in DE ausgiebig. Zu diesem Thema zitiert der Focus auch wieder Frau Clausen:

„Sind Azofarbstoffe im Tee enthalten, müsste eigentlich ein Warnhinweis auf dem Becher stehen“

Diese vermutlich (höhö…) aus dem Zusammenhang zitierte Aussage soll den Eindruck erwecken, dass hier die Verkäufer ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachkommen. Allerdings lese ich aus anderer Quelle und bei Frau Clausen folgendes:

Frau Clausen:
„Bubble Tea gilt als lose Ware, deshalb ist die Deklarationspflicht vermindert“

lebensmitteltechnik-online.de:
„Die Kennzeichnungspflicht bei Verwendung von Azofarbstoffen gilt derzeit wohl nicht für lose Ware, die z.B. in der Gastronomie abgegeben wird. Nach dem Wortlaut von Art. 24 ZusatzstoffVO steht die Pflichtangabe bei Farbstoffen des Anhangs V im Zusammenhang mit der „Kennzeichnung von Lebensmitteln“. Damit kann nur die Etikettierung einer Fertigpackung gemeint sein, also eines Lebensmittels, das in einer Verpackung abgegeben wird, die in Abwesenheit des Käufers verschlossenen wurde (vgl. § 6 Abs. 1 EichG).“

Ich bin kein Experte, aber so wie ich das verstehe, muss Bubble Tea nicht gekenzeichnet werden. Auf jedenfall ist das Ganze wie es aussieht strittig und auf keinen Fall glasklar.

Was hingegen als gesichert gilt ist, dass Bubble Tea jede Menge Zucker enthält: Ein Becher hat etwa 500 Kalorien – die gleiche Menge Coca Cola dagegen nur 150

Der erste Fakt, leider erst ganz am Ende des Artikels. Die Behauptung stimmt auch nur teilweise und bezieht sich auf einen Test der Stiftung Warentest. Nur der gehaltvollste und süßte Bubble Tea enthält mehr Zucker und vielmehr Kalorien als eine gleiche Menge Cola. Durchschnittlich gilt aber:

Stiftung Warentest:
Mit 50 bis 60 Gramm Zucker pro Becher haben drei der Bubble Teas im Test etwa genau so viel Zucker wie die gleiche Menge Cola.

Zum Vergleich, sagt die Stiftung Warentest zu Apfelsaft:

Stiftung Warentest:
Durch seinen hohen fruchteigenen Zuckergehalt – etwa 100 Gramm pro Liter – liefert er reichlich Energie, bis zu 550 Kilokalorien

Fassen wir zusammen: 0,5l Becher Bubble Tea hat 50-90g Zucker, macht also 10-18g und 100kcal pro 100ml. Cola hat laut Etikett 11,1g Zucker und 45kcal pro 100ml und Apfelsaft 10g Zucker und 55kcal pro 100ml. Aus dieser Perspektive relativiert sich der Bubble Tea wieder. Er hat wenn man es nicht übertreibt einen Zuckergehalt der ähnlich hoch ist wie „etablierte“ Getränke und bedingt durch Milch und Tapioka einen Brennwert ähnlich hoch wie ein Milchshake. Ein 0,5l Mocha Malt Frappuccino® von Starbucks kann z.B. mit  570kcal zu Potte schlagen, macht 114kcal pro 100ml. Ähnlich verhält es sich auch mit dem 0,5l Erdbeer Milchshake von McDonalds 499kcal sollen dadrin sein, macht 99,8kcal pro 100ml.

Pro:
Ich teile die Meinung, dass es sich bei Bubble Tea nicht um ein gesundheitsbewusstes Getränk handelt. Man sollte sich klar sein, dass man sich im Prinzip einen Milchshake mit etwas Tee reinzieht und dementsprechend auch an Gewicht zunehmen kann. Auch ist die Gefahr des Verschluckens an den kleinen Tapiokaperlen durchaus realistisch wenn man sich dessen nicht bewusst ist, wirklich „gefährlich“ ist das aber nicht.
Generell ist es auch sehr sinnvoll ein Auge auf importiere Lebensmittel zu haben, diese zu testen und bei Bedarf den Verkauf und den Import zu verbieten. Falls man aber nichts findet, schickt es sich nicht Vermutungen zu Verdächtigungen und dann zu Fakten aufzublasen.
Zweifelslos sind auch die umstrittenden Azofarbstoffe nicht unbedingt nötig und sollte in DE auf lange Hinsicht bei allen Lebensmittelherstellern aus der Rezeptur verschwinden. Aber dies ist ein Problem das viele Hersteller unterschiedlicher Lebensmittel in Deutschland betrifft.

Con:
Die Art und Weise der Berichterstattung hat geradezu amerikanisches Boulevard-Niveau erreicht. „What you don’t know about XY, might kill you“ ist das bekannte Schema nach dem hier argumentiert wird. Es wird eine abstrakte Drohkulisse aufgebaut und dem Leser suggeriert, dass eine verborgene Gefahr existiert, gegen die er sich nur wappnen kann, wenn er den Artikel gelesen hat. Diese Form der Berichterstattung ist effektiv, sie lockt viele Leser an und schafft gute Quartalszahlen. Seriös ist was anderes. Ich unterstelle hier einfach mal wohlwollend, dass der Artikel einfach nur schlecht recherchiert wurde und keine böse Absicht dahinter steckt.

Um geistreiche Kommentare wird gebeten

verlinkte Artikel

Ministerium: Keine gesundheitsgefährdenden Stoffe in Bubble Tea

Chemiker finden Giftspuren in Bubble Tea
Vorsicht vor dem Trendgetränk: So gefährlich ist der Bubble Tea – weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/gesundessen/vorsicht-vor-dem-trendgetraenk-so-gefaehrlich-ist-der-bubble-tea_aid_766556.html

„Kennzeichen Z“ – Die Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 und ihre Anwendung http://lebensmitteltechnik-online.de/Archiv2010/100923.html

5 Fragen rund um den Apfelsaft http://www.test.de/Apfelsaft-Nicht-ungetruebt-1193997-1193999/

Dickmacher aus Fernost http://www.test.de/Bubble-Tea-Dickmacher-aus-Fernost-4406065-4406070/

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: