PETA findet heraus, dass Milch Autismus auslöst…oder auch nicht

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PETA (People for the Ethical Treatment of Animals)  ist eine International tätige Tierrechtsorganisation, die vielen Leuten wahrscheinlich durch ihre provokativen Aktionen bekannt ist. Ich möchte an erster Stelle auch gleich sagen, dass ich an der Zielsetzung dieser Organisation nichts falsches sehe. Tiere sind auch Lebewesen und dürfen nicht durch Konsumgier und Lifestyleentscheidungen gequält und geschädigt werden.

Bei mir hört allerdings das Verständnis und die Solidarität auf, wenn ich Dinge lese wie erst Jüngst auf ihrere englischen Webseite : Got Autism? Learn About the Link Between Dairy Products and the Disorder

In diesem Artikel bezieht sich auf eine Werbekampagne der Organisation (die wiederum eine Webekampagne der amerikanischen Milchindustrie parodiert). Die Werbetafeln in den USA legen dem Leser nahe, dass Milchkonsum und Autismus eng zusammenhängen bzw. Autismus durch Milchkonsum ausgelöst wird.

Diese Werbekampagne ärgert mich auf mehreren Ebenen:
Erstens: die wissenschaftliche Seite. Der Artikel wurde mittlerweile unzählige male editiert und ist augenscheinlich von jemanden geschrieben worden der sich mit der Materie nicht sonderlich auskennt. Autismus wurde/wird dort nur oberflächlich und falsch beschrieben. Dann wird versucht die Verbindung zwischen Milchkonsum und Autismus durch 2 Forschungsarbeiten zu untermauern. Dies scheitert schon einmal daran, dass die geringe Anzahl von 2 Arbeiten (eine von 1995 und eine weitere von 2002) wissenschaftlich irrelevant ist. Allein zu Autismus und Ernährung existieren wortwörtlich tausende Arbeiten und jedes Jahr erscheinen weitere hunderte. 2 Arbeiten, bei der eine fast 19 Jahre alt ist, sind einfach nichts. Gebe es einen schwachen Zusammenhang, hätte es in den letzten 19 Jahren mehr Arbeiten dazu gegeben. Solche Arbeiten gab es aber nicht mal von den Autoren selber. Auf der anderen Seite sind die Arbeiten auch inhaltlich recht schwach. Beide Studien haben vieles gemein. Beide haben nur sehr wenige Probanden (36 bzw. 20 Kinder). Mit dieser geringen Zahl eine statistische Relevanz zurechtfertigen ist, wenn überhaupt möglich, schon recht mühsam und abenteuerlich. Die Arbeiten wurde beide auch nicht Doppelblind durchgeführt. Die Beobachter wussten also jedesmal welches Kind zu der Testgruppe gehört und welches Kind zu der Kontrollgruppe. Ein solches Vorgehen unterliegt immer einer sog. Beobachter-Verzerrung, Salopp gesagt bedeutet dies, dass mögliches Wunschdenken Seitens der Autoren, den beobachteten „Autismusgrad“ auf die gewünschte Werte rückt.

Am wichtigsten aber: Beide Arbeiten weisen eben nicht nach, dass Autismus und Milch einen Zusammenhang haben. Und selbst, wenn eine Korrelation bestehen würde, so wird jeder der etwas von Statistik versteht natürlich gleich anmerken, dass selbst eine nachgewiesene Korrelation niemals auch eine Ursache nachweist.

Die 2. Ebene ist für mich die Menschliche und eigentlich auch die wichtigere. Man sollte nicht vergessen, dass diese Diskussion auf dem Rücken von Menschen ausgetragen wird. Das sind zum einen die Menschen mit Autismus und deren Angehörige. Denn, dass wirklich ekelerregende an dieser Kampagne ist, dass Menschen instrumentalisiert werden um PETAs eigene Agenda vorwärts zu bringen. Dabei verzerren diese die öffentliche Wahrnehmung von Autismus noch stärker als sie es sowieso ist. Viele haben sich bereits zu Wort gemeldet und ihre Empörung laut gemacht. Autismus muss weiterhin stärker erforscht und verstanden werden. Es ist keine Krankheit und viele Menschen mit Autismus wollen auch nicht als Kranke wahrgenommen werden. PETA fördert mit dieser Kampagne nur, dass sich bald eine weitere Nische für Scharlatane öffnet, die durch Diätkuren Autismus „vorbeugen“ oder „heilen“ wollen.

Egal wie sehr sich PETA für die Rechte von Tieren einsetzt, das Wohl und das Leid von Menschen ist für sie wohl eher Zweitrangig.

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